Amnesty International: seit 60 Jahren Einsatz für die Menschenrechte!

Amnesty International wird in diesen Tagen 60 Jahre alt. Mehr als 40 Jahre hat Amnesty Bad Mergentheim die Entwicklung der Organisation von einer reinen Gefangenenhilfsorganisation zur weltweit größten Menschenrechtsorganisation aktiv begleitet und an der Erreichung ihrer vielfältigen Ziele mitgearbeitet. 
 
1961: Zwei Studenten stoßen in einem Café in Lissabon auf die Freiheit an – es herrscht Militärdiktatur und sie werden zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Als der britische Rechtsanwalt Peter Benenson davon erfährt, veröffentlicht er am 28.05.1961 im „Observer“ den Artikel „The Forgotten Prisoners“. Er macht auf das Schicksal politischer Gefangener aufmerksam und ruft dazu auf, in Appellbriefen ihre Freilassung zu fordern. Der Artikel löst ein großes Echo in der ganzen Welt aus und steht am Beginn einer internationalen Menschenrechtsbewegung, die heute weltweit mehr als 10 Millionen Unterstützer*innen hat.  
 
Grundlage der Arbeit von Amnesty International ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die von der UNO 1948 verabschiedet worden ist. Unabhängig von  Regierungen, politischen Parteien, Wirtschaftsinteressen und Religionen sollen die dort formulierten Rechte für alle Menschen gleichermaßen durchgesetzt werden. Dabei ist Neutralität das oberste Gebot und die finanzielle Unabhängigkeit von staatlichen Mitteln Grundpfeiler  der Arbeit geblieben. 
 
Mit Appellen, Briefen, E-Mails, Petitionen an Regierungsverantwortliche beteiligen sich täglich Hunderttausend Menschen weltweit an Amnesty-Aktionen. Amnesty Bad Mergentheim versorgt den Unterstützerkreis der „Briefe gegen das Vergessen“ seit Jahrzehnten mit Briefvorlagen, organisiert jedes Jahr den „Briefmarathon“ vor Ort und unterstützt mit Infoständen, Veranstaltungen , Gottesdiensten und Unterrichtsbesuchen die großen Kampagnen der Menschenrechtsorganisation. 
 
Hier einige Erfolge auf dem Jahrzehnte langen Weg zu einem besseren Menschenrechtsschutz: Die Abschaffung der Todesstrafe ist eines der wichtigsten Anliegen von Amnesty – 1970 hatten nur rund 20 Länder diese unmenschliche Strafe ganz abgeschafft, heute sind es über hundert. Der Kampf für eine Welt ohne Todesstrafe geht weiter. 
 
1972 startete Amnesty International die erste weltweite „Kampagne zur Abschaffung der Folter“, der weitere folgten, an denen auch Amnesty Bad Mergentheim teilnahm. Schon nach einem Jahr nahm die UNO-Vollversammlung die Forderung nach einem Folterverbot auf; 1984 wird das absolute Folterverbot völkerrechtlich verbindlich. Information und Protest gegen den Bruch dieses Übereinkommens bleibt weiter Aufgabe der Amnesty-Sektionen und -Gruppen weltweit. 
 
Seit 1993 unterstützt Amnesty die Einrichtung eines Internationalen Strafgerichtshofes für schwerste Menschenrechtsverletzungen. 2003 kann er seine Arbeit aufnehmen. 
 
In den letzen Jahrzehnten hat sich der Aktionskreis der Amnesty-Arbeit vergrößert: Kontrolle des Waffenhandels, Förderung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte, Menschenrechtsbildung und Einsatz gegen die durch die Klimakrise verursachten Menschenrechtsverletzungen. Das Herz aller Amnesty-Arbeit aber ist und bleibt der Einsatz für die Freilassung gewaltloser politischer Gefangener, die aufgrund ihrer Herkunft, Religion, ihrer Überzeugung oder ihres Geschlechtes inhaftiert sind. Gemeinsam mit anderen Amnesty-Gruppen konnte die Mergentheimer Gruppe mithelfen, ungerechte Haftzeiten der von ihr betreuten Gefangenen, u.a. aus Südafrika, Kuba, Usbekistan, zu verkürzen. So wurde die iranische Menschenrechtsverteidigerin Narges Mohammadi im Dezember endlich vorzeitig aus der Haft entlassen. Gerade jetzt erreicht die Gruppe die Nachricht, dass Narges Mohammadi wieder verhaftet und zu einer Geldstrafe und Peitschenschlägen verurteilt wurde. Die Gruppe wird den Fall erneut übernehmen. Amnesty lässt keinen Fall fallen, so viel Geduld und Ausdauer es auch kostet. Für den von Lukaschenko entführten und verhafteten  Blogger Roman Protasewitsch kann auf der Homepage der Amnesty-Gruppe eine Protest-Mail aufgerufen und seine Freiheit gefordert werden.
 
Die Mitgliedergruppen , die für die Ziele der Menschenrechtsorganisation arbeiten, erhalten zuverlässige und mehrfach geprüfte Informationen und Arbeitsmaterial durch die weltweit tätigen Ermittler zu Menschenrechtsverletzungen sowie den hauptamtlichen Mitarbeitern, die Kampagnenstrategien und Aktionsmöglichkeiten  entwickeln, auf die Gruppen wie Amnesty Bad Mergentheim zurückgreifen können. 
 
Die Herausforderungen an die Organisation sind keineswegs kleiner geworden: Die Digitalisierung eröffnet zwar neue Chancen für die Menschenrechtsarbeit, andererseits bedrohen digitale Überwachungsmechanismen  vor allem Menschen, die ihr Recht auf freie  Meinungsäußerung online wahrnehmen und per Internet für Freiheitsrechte einstehen. Sowohl die Klimakrise als auch die Pandemie bedrohen die Lebensgrundlage gerade der Menschen, die bereits marginalisiert sind und unter Ungerechtigkeit leiden, darunter Frauen, Geflüchtete und Minderheiten. 
 
Allem zum Trotz: Angetrieben vom Wunsch nach Gerechtigkeit und Menschlichkeit werden Mitglieder und Unterstützer*innen weiter auf eine Welt hinarbeiten, in der alle Menschen die gleichen Rechte genießen, denn – um an das Symbol von Amnesty zu erinnern – „es ist besser , eine Kerze anzuzünden , als die Dunkelheit zu verfluchen“. 
 
Vielleicht kann sich der eine oder andere in den nächsten Wochen einen Spaziergang auf dem „Pfad der Menschenrechte“ vornehmen, der von der Amnesty-Gruppe Bad Mergentheim im Jahr 2008 im Arkauwald errichtet wurde, und sich dort der Bedeutung der Menschenrechte für das Leben jedes Einzelnen bewusst werden. 
 
Auf eine öffentliche Geburtstagsfeier musste die Gruppe verzichten, wird aber mit einem Infostand am 17.07. in der Tauberphilharmonie beim Konzert von Igor Levitt und am 26.08. bei der Lesung von Katja Riemann im Klanggarten des Kurparks  anwesend sein. 
 
www.badmergentheim.amnesty-international.de

2. Juni 2021